Pineal Architecture

Crossing Realities

Arthouse Damaskus, Syrien

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

nächstes Projekt

aus 'Der kleine Prinz', Antoine de Saint-Exupery


Bühnenbild für eine 'body music'-performance mit blinden Kindern


Wir können uns kaum vorstellen, wie es wäre, in einer Welt zu leben ohne sehen zu können. Für uns ist es normal, dass wir die Welt mit unseren Augen betrachten können. Blinde Kinder leben in einer anderen Realität. Für sie ist es normal nicht sehen zu können. Das wirft die grundsätzliche Frage auf, was ist eigentlich normal? Sind wir nur deswegen normaler, als andere, nur weil wir sehen können? Bzw. was hat deren Welt, was wir nicht haben? Verpassen wir vielleicht sogar etwas in unserer Welt, in der unsere Augen einen Überfluss von Bildern produzieren? Lenken uns diese vielleicht von wesentlichen Dingen ab?


Das Bühnenbild ist Teil eines Gesamtkunstwerkes. Wir möchten nicht  nur einen Hintergrund für die Darbietung der blinden  Kinder entwerfen, sondern unser Ziel ist es die Aufmerksamkeit der Menschen auf all ihre Sinne im Allgemeinen zu lenken. Dies nennen wir Fragmentierung der Sinne.  Nachdem das Publikum dann sensibilisiert ist, ist es vorbereitet das Stück zu sehen; die ‚Körpermusik‘ der blinden Kindern, das all ihre Sinne ansprechen wird.

Die Annäherung an das Bühnenbild ist ziemlich abstrakt und intelektuell, aber das Ergebnis ist sinnlich und einfühlsam. In einem ersten Akt teilen wir den sichtbaren architektonischen Raum horizontal in zwei unterschiedliche Welten mittels einer grossen Gaze (Lycra). Wir nehmen an,  dass unsere Vorstellung von unseren Beziehungen zu blinden Menschen parallel ist. Indem wir einige Punkte der Gaze in Richtung Decke ziehen, schaffen wir mit dem Stoff eine umgekehrte Kopie der vorhandenen Architektur des Ortes. Die umgekehrte Welt der Bögen aus Gaze fangen an sich mit der ‚normalen‘ Welt, den schönen  Steinbögen des Arthouse zu vermischen.
Dann jedoch, um das Konzept dieser beiden parallel  verdrehten und in sich perfekt scheinenden Welten zu unterbrechen, fügen wir drei Bühnen an unterschiedlichen Plätzen im Raum ein. Dafür ziehen wir die Gaze hinunter auf die Ebene des Publikums. Sie sind damit mitten zwischen den Zuschauern, von diesen während der Aufführung umgeben. Somit erreichen wir eine Vermischung der parallelen Welten, so wie auch die ‚body-music‘ selbst die Grenzen zwischen sehenden und blinden Menschen aufbrechen will..

Am Ende ist das Bühnenbild, oder die Rauminstallation, das Ergebnis des Konzepts von sich kreuzenden Realitäten – crossing realities.